Eine Messe ganz im Zeichen der Berufswahl

Seit gestern Dienstag läuft sie wieder, die grösste Bildungsmesse der Schweiz – die Berufsmesse Zürich. Bereits zum 12. Mal. Über 47‘000 Schülerinnen und Schüler werden auch in diesem Jahr erwartet. Bis am kommenden Samstag wollen die 130 Aussteller den jungen Menschen eine Hilfe bei der Berufswahl bieten.

Berufswahl
Über 47'000 Besucherinnen und Besucher werden an der diesjährigen Berufsmesse in Zürich erwartet. (© Berufsmesse Zürich)

Bereits früh herrschte reger Betrieb in den zwei Messe-Hallen und bei allen Ständen wurde fleissig gefragt, geholfen und diskutiert. Eindrücklich, mit welchem Interesse sich die zukünftigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für ihre persönliche Berufswahl interessieren und sich so um ihre Zukunft Gedanken machen. Aber auch die Stände lassen sich sehen. Mit grossem Aufwand versuchen die Berufsverbände, Firmen und Schulen auf ihre Karrieremöglichkeiten aufmerksam zu  machen und die Aufmerksamkeit zu wecken. Kein Wunder: Zahlreiche Berufsverbände klagen doch über massive Nachwuchsprobleme.

Praktische Erfahrungen direkt vor Ort

Die Berufsmesse Zürich ist mehr als eine normale „Flyer-Messe“. An den meisten Ständen können erste praktische Erfahrungen gesammelt werden. Sei dies beim Betätigen eines Baggers, beim Bauen einer Mauer oder beim Herstellen eines eigenen Strom-Verlängerungskabels. Und was besonders eindrücklich ist: Die Geschlechter Durchmischung wird aktiv gelebt. So spricht der Maurer-Lehrling nicht nur Jungs an, nein er geht auch aktiv auf Mädchen zu und zeigt, dass es heutzutage in der Berufswahl keine Grenzen mehr gibt. Auch dies ist aufgefallen: Vor Ort informieren nicht nur Menschen aus den Personalabteilungen. Nein, meist sind es aktuelle Lehrlinge, die aus ihrem Alltag erzählen und so die Lehrberufe sehr realitätsnah präsentieren.

„Keinen Abschluss ohne Anschluss!“
Silvia Steiner, Regierungsrätin Kanton Zürich

Erfolgszahlen bei der Eröffnungsfeier

Um 11 Uhr wurde die Berufsmesse offiziell eröffnet. Geladene Gäste aus Politik und Wirtschaft hörten den Rednerinnen und Redner aufmerksam zu und erfuhren einiges. So führte etwa Thomas Hess, der Geschäftsführer des veranstaltenden Zürcher Gewerbeverbandes, aus, dass rund 240 Lehrberufe und über 300 Weiterbildungen auf 10‘000m2 präsentiert werden. Interessant auch die Aussage von Hess: „ Auch wenn momentan eher genügend Lehrstellen und Lernende vorhanden sind, müssen wir diesen Weg weitergehen, denn in 4-6 Jahren wird aufgrund der Demographie ein erneuter Lernendenmangel erwartet, dann müssen wir gewappnet sein.“ Silvia Steiner – Regierungsrätin und Bildungsdirektorin des Kantons Zürich – machte auf den Stellenwert der Berufslehre aufmerksam: „Über ¾ der Jugendlichen entscheiden sich für eine Lehre, umso wichtiger ist es in unserem dualen Bildungssystem, dass es keinen Abschluss ohne Anschlusslösung gibt.“

Ständerat Noser mit persönlichen Einblicken

Als Hauptredner war Ständerat Ruedi Noser angereist. Er kam direkt aus Bern unter enormem Zeitdruck an die Eröffnungsfeier. Kein Problem für den Zürcher: «Mit Stress umzugehen, das habe ich schon in der Lehre gelernt», erklärte Noser. Der Bildungspolitiker, der sich nach seiner Lehre als Maschinenmechaniker zum Elektroingenieur weiterbildete und heute in seiner IT-Firma über 500 Mitarbeitende beschäftigt, rief dazu auf, in der Berufsbildung wieder mehr Mut zur Praxis zu haben. «Sonst geht der Kern der Berufslehre verloren.» Auch ist für ihn wichtig, dass man sich wieder getraut, Fehler zu machen. Denn: „Nur wer Fehler macht und aus diesen die richtigen Lehren zieht, kann weiterkommen.“

„Nur wer Fehler macht und aus diesen die richtigen Lehren zieht, kann weiterkommen.“ Ruedi Noser, Ständerat

Genau diesen Rat sollen sich die Schülerinnen und Schüler zu Herzen nehmen. Denn das schöne bei der heutigen Berufswahl ist, dass man sich nicht bereits bei der ersten Berufswahl für das ganze Leben festlegen muss, sondern erst das Fundament für die eigene Berufskarriere legt. Oder wie Regierungsrätin Silvia Steiner es auf den Punkt brachte: „Unser Bildungssystem ermöglicht auch den Weg von der Laborantin zur Kinderärztin. Für diese Durchlässigkeit der Berufslehre müssen wir uns weiter einsetzen.“  Und genau auch hier hilft die Berufsmesse.  Sie informiert auch über die zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten direkt vor Ort.

Die Berufsmesse Zürich läuft bis am 26. November 2016.



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