Lehrplan 21: „Gute Richtschnur für Volksschulen“

Neun Kantone führen im neuen Schuljahr den Lehrplan 21 ein. Charles Vincent, Leiter Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern, erklärt, weshalb der Lehrplan 21 sinnvoll ist, was sich nun für Lehrpersonen und Schüler ändert und wo noch Herausforderungen liegen.

Tablets statt Bücher - bald die Realität in Schweizer Schulzimmern. (© Yuri Arcurs - Fotolia)
Tablets statt Bücher - bald die Realität in Schweizer Schulzimmern. (© Yuri Arcurs - Fotolia)

In wenigen Tagen, wenn das Schuljahr 2017/18 startet, wird an den Luzerner Volksschulen mit dem Lehrplan 21 unterrichtet. Charles Vincent ist Dienststellenleiter Volksschulbildung des Kantons Luzern und war bei der Einführung des neuen Lehrplans zuvorderst mit dabei.

Herr Vincent, was kommt mit dem neuen Lehrplan auf den Kanton Luzern zu?

Charles Vincent: „Im Kanton Luzern erfolgt die Umstellung noch nicht vollständig. Zunächst wird der Lehrplan 21 im Kindergarten und bis zur 5. Primarklasse eingeführt. Aufs Schuljahr 2018/19 wechselt dann auch die 6. Primarklasse und 2019/20 schliesslich noch die Sekundarschule. Wir führen den neuen Lehrplan gestaffelt ein, damit das Übertrittsverfahren in die Sekundarschule möglichst reibungslos verläuft, und die neuen Lehrmittel wenn möglich vorhanden sind.

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Charles Vincent, Leiter Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern

Was ändert sich mit dem neuen Lehrplan?

„Zum einen die Ausrichtung: Der bisherige Lehrplan, mit dem seit über 20 Jahren gearbeitet wurde, war zielorientiert. Nun geht man einen Schritt weiter. Der Lehrplan 21 ist nicht nur zielorientiert, sondern es ist vor allem Kompetenzorientierung gefragt. Die Schüler sollen sich also nicht nur Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen, sondern diese auch anwenden können. Die Lehrpersonen müssen ihr Unterrichtsmaterial aber auch die Prüfungen danach ausrichten. Das ist sicherlich ein grosser Schritt. Dann ändert sich auch einiges im Hintergrund. Die Lehrer erhalten beispielsweise für die Fächer ein Fremdbeurteilungsraster und können ab sofort damit im sogenannten Lehreroffice arbeiten, das ihnen Vorbereitungen und Notizen elektronisch ermöglicht.“

Was ändert sich für die Schüler?

„Inhaltlich gibt es einige Verschiebungen. So sind in der Primarschule einige Fächer um eine Lektion erweitert worden – wie etwa Französisch, Deutsch, Mathe oder Musik. Auf der anderen Seite wird beispielsweise das Fach Textiles und Technisches Gestalten in den fünften und sechsten Primarklassen um eine Lektion reduziert. Inhaltlich gibt es verschiedene Veränderungen. So wird der Schwimmunterricht ab der 3. und 4. Primar obligatorisch. Weiter ist das Tastaturschreiben ab der 4. Primarklasse integriert. Diese Verschiebungen bei den Fächern sind allerdings nicht in jedem Kanton gleich, es kommt ganz darauf an, wie die Fächer und Lektionen im bisherigen Lehrplan verteilt waren. Im Zeugnis wird den Schülern aber auch den Eltern auffallen, dass einige Fächer umbenennt wurden, so heisst Mensch und Umwelt neu Natur Mensch Gesellschaft oder Hauswirtschaft wird neu als Wirtschaft Arbeit Haushalt bezeichnet.“

Wie wurden die Lehrpersonen fit für den Lehrplan 21 gemacht?

„Das Einführungskonzept für unsere Lehrpersonen umfasst eine Reihe von Bausteinen. Angefangen hat alles mit einer Startveranstaltung vor gut zweieinhalb Jahren, bei der die Änderungen bekannt gemacht wurden. Nach einem Einführungstag in den einzelnen Schulen konnten die Lehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule Luzern verschiedene Kurse besuchen. Und nach zwei Jahren hat es an jeder Schule einen Auswertungstag gegeben. Für die Primarschulen ist die Einführung damit aber noch nicht beendet, es gibt weiterhin Kursangebote. Für Sekundarlehrpersonen starten die Kurse sogar erst. Es dauert nun noch vier Jahre, bis alle Lehrerinnen und Lehrer ihre Kurse abgeschlossen haben.“

„Der grosse Vorteil ist die Weiterentwicklung zur Kompetenzorientierung.“

In welchem Bereich mussten sich die Lehrpersonen denn speziell weiterbilden?

„Ganz klar im Bereich Medien und Informatik. Hier geht es nämlich einerseits um die Anwendungsorientierung, das Hintergrundwissen zur Informatik und um die Medienerziehung, also den gesellschaftlichen Aspekt. Vielfach sind die Lehrpersonen in einzelnen Themen nicht so sattelfest wie es teilweise die Schüler sind. Daher liegt unser Schwerpunkt ganz klar in diesem Bereich – zehn Halbtage mussten sich die Lehrpersonen zu dieser Thematik weiterbilden. Nun sind auch einzelne Schulen damit beschäftigt, in diesem Bereich aufzurüsten und die notwendige Ausrüstung zu beschaffen.“

Und trotz der vielen Vorteile hat der Lehrplan 21 viel Gegenwind erfahren.

„Ja, es hat auch auf Ebene des Luzerner Parlaments Widerstand gegeben. Alle Vorstösse gegen den Lehrplan 21 wurden aber klar abgelehnt. Im Dezember 2014 hat sich der Luzerner Regierungsrat deshalb für die Einführung des Lehrplan 21 entschieden. Seither ist es ruhiger geworden. Natürlich gibt es nach wie vor Leute, die den Lehrplan 21 nicht einführen wollen. Dennoch denke ich, dass die Einführung auf sehr guten Wegen ist und auch die Lehrer hinter dem neuen Lehrplan stehen. Ausserdem finde ich, es wäre sinnlos, wenn nun jeder Kanton wieder einen Extrazug fahren würde. 2006 wurde schweizerisch die Verpflichtung zur Harmonisierung in der Bundesverfassung festgehalten – 86 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben sich dafür ausgesprochen. Der politische Entscheid ist getroffen, dann bin ich der Meinung, man soll es auch durchziehen können.“

Wo sehen Sie persönlich die Vorteile des neuen Lehrplans?

„Der grosse Vorteil ist die Weiterentwicklung zur Kompetenzorientierung. Denn damit passt man den Lehrplan an jene in der Berufsbildung an, die ja schon lange kompetenzorientiert ausgerichtet sind. Weiter sind die Fächer inhaltlich aktualisiert worden. Ich denke, die nächsten 10 bis 15 Jahre ist der Lehrplan 21 eine gute Richtschnur für unsere Volksschulen, obwohl es möglicherweise in einigen Jahren aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung bereits erste Anpassungen braucht. Ein weiterer Vorteil ist auch die Harmonisierung. Vorher hatte fast jeder Kanton einen eigenen Lehrplan. Mit der Harmonisierung wird für Lernende sowohl der Wechsel in einen anderen Kanton und im Besonderen der Übertritt in die Berufsschulen vereinfacht. Meines Erachtens ist es sehr sinnvoll, wenn alle mit den gleichen Voraussetzungen in die Berufswelt einsteigen.“

Welche Herausforderungen kommen denn nun bezüglich Lehrplan 21 noch auf den Kanton Luzern zu?

„Natürlich geht es jetzt in erster Linie um die Einführung des Lehrplans, was uns die nächsten Jahre noch beschäftigen wird. Das ist sicherlich weiterhin eine grosse Herausforderung. Im Weiteren beschäftigt momentan ein Problem verschiedene Kantone: Und zwar sind noch nicht alle neuen Lehrmittel vorhanden. Das betrifft vor allem die Sekundarstufe. Für jene Kantone, die den Lehrplan 21 schon jetzt in der Sekundarschule einführen, ist das natürlich nicht gut. Der Kanton Luzern wiederum hat diesbezüglich weniger Schwierigkeiten, da wir den neuen Lehrplan in der Sekundarstufe erst noch einführen werden. Hier zeigt sich, dass die gestaffelte Einführung des neuen Lehrplans gar keine so schlechte Lösung ist. Für die Lernenden ist der Übertritt einfacher und auch die Schulung der insgesamt 5500 Lehrpersonen kann damit gestaffelt erfolgen.“

Neun Kantone starten mit dem Lehrplan 21

Mit dem neuen Schuljahr 2017/18 wird in gleich neun Kantonen der Lehrplan 21 umgesetzt. Es sind dies Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, St. Gallen, Thurgau und Uri. Insgesamt 21 deutsch- und mehrsprachige Kantone setzen mit dem ersten gemeinsamen Lehrplan für die Volksschule den Artikel 62 der Bundesverfassung um. Ziel dieses Artikel ist es, die Schule zu harmonisieren. Ende 2014 wurde der neue Lehrplan von den Deutschschweizer Erziehungsdirektorinnen und Erziehungsdirektoren beschlossen und kann nun von jedem Kanton nach den eigenen Rechtsgrundlagen eingeführt werden. Bereits eingeführt ist der Lehrplan 21 in den Kantonen Baselland (teilweise) und Baselstadt. Beschlossen aber noch nicht umgesetzt ist der neue Lehrplan in Appenzell Innerrhoden und in Graubünden.



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